Hermes erhöht die Preise zum Weihnachtsgeschäft 2018

Hermes erhöht die Preise zum Weihnachtsgeschäft 2018

Dieses Weihnachtsgeschäft wird in der Presse von 2 Themen dominiert:

  1. Amazon, wie jedes Jahr
  2. die Paketdienste und die eventuelle Nichtzustellung der Weihnachtsgeschenke.

Einkaufen über das Internet boomt. Das ist so wahr wie abgedroschen, denn das schreiben und lesen wir seit Jahren. Seit sehr vielen Jahren!

Nun scheint es aber so, dass das Wachstum nicht die Shops vor Probleme stellt sondern die Dienstleister, die die Ware zum Kunden bringen müssen: die Paketdienste.
Im diesjährigen Weihnachtsgeschäft werden an Spitzentagen schätzungsweise 15 Millionen Pakete zugestellt. Und dieses Volumen stellt die meisten Dienstleister wohl vor gewaltige Herausforderungen.

Vor Jahren sanierte der aufkommende Boom des Onlinehandels manchem Paketdienst die Bilanz und füllte die Laderäume der Lieferwagen endlich ordentlich auf. Plötzlich waren Volumen zu verteilen, die Umsätze stiegen. Gleichzeitig entbrannte ein Preiskampf zwischen den Paketdiensten, der den Händlern und Kunden nützte. Aber für Preise von unter 2 Euro pro Paket kann ich weder als Händler noch als Kunde noch als Paketdienstleister Qualität erwarten. Verlangen sicher, aber sie auch zu bekommen ist wohl reines Wunschdenken.

Und nun scheint es, als platzten nicht nur die Verteilzentren aus allen Nähten und wird es eng in den Lieferwagen. Auch neue Paketboten am Markt zu finden wird offenbar immer schwieriger. Das der Job als Paketbote nicht zu den Traumberufen gehört, dürfte in anbetracht der vielen Berichte in der Presse, die über die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter der großen Paketdienstleister berichten, klar sein. Schlechte Bezahlung (wovon auch, bei unter 2 €/ Paket Einnahmen für den Konzern), lange und familienunfreundliche Arbeitszeiten und Stress. Für dieses Weihnachtssaison sucht Hermes mehrere tausend Aushilfen. Dazu Frank Rausch, Geschäftsführer von Hermes gegenüber der Wirtschaftswoche: „Der Arbeitsmarkt ist stark limitiert. Es wird immer schwieriger, Zusteller zu finden, die bereit sind diesen wichtigen aber wenig Wert geschätzten Job zu übernehmen.“ Und bei anderen Diensten wird die Situation sicher ähnlich sein.

Paketpreise werden steigen

Die Zeiten der immer weiter sinkenden Paketpreise scheint vorbei. Die Paketdienste bereiten über die Presse die Kunden schon einmal darauf vor, dass es in Zukunft wohl wieder zu steigenden Kosten kommen wird. Die Infrastruktur muss weiter ausgebaut und erneuert werden und auch den Mitarbeitern wird man künftig mehr bieten müssen, um im Wettbewerb um Fach- und Arbeitskräfte bestehen zu können.
Der demografische Wandel lässt überall grüßen!

Hermes geht voran

Schon in diesem Weihnachtsgeschäft hat Hermes in den USA die Paketpreise um 27 Cent angehoben. Im nächsten Jahr wird es dann wohl auch einen Aufschlag in Deutschland geben. Wie und in welchem Umfang, das steht laut Rausch wohl noch nicht fest, dazu sollen die Daten aus dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft ausgewertet werden.

Auch hier ist davon auszugehen, dass Hermes nicht der einzige Paketdienst bleiben wird, der über Preiserhöhungen nachdenkt. Alle Marktteilnehmer dieser Branche haben die gleichen Probleme zu lösen, so dass es sicher auch auf gleiche bzw. ähnliche Lösungen hinauslaufen wird. Und eine davon wird sicher lauten: Preiserhöhung. Und das sicher nicht nur zum Weihnachtsgeschäft.

Mengenobergrenzen für den Paketversand

Hermes hat, laut Rausch, für dieses Jahr mit einigen Kunden Mengenobergrenzen für den Paketversand im Weihnachtsgeschäft vereinbart. Überschreiten sie diese Kontingente, so müssen sie dafür einen Preisaufschlag zahlen. Strafzahlungen für ein zu erfolgreiches Weihnachtsgeschäft.
Ein aberwitzige Vorstellung für die Zukunft: Eine gut vorbereitet und durchgeführte Weihnachtskampagne des Shops lässt die Bestellungen in die Höhe schnellen. Aber die Paketdienste können oder wollen nicht ausliefern, weil keine Kapazitäten frei sind bzw. zu wenig Kapazität im Vorfeld gebucht wurde. Am Ende kehrt sich der vermeintliche Erfolg des Händlers in einen großen Shitstorm, weil der Paketdienstleister nicht mithalten kann.
Wie sollte die Lösung aussehen?
Shop abschalten mit dem Hinweis “Entschuldigen Sie, dass wir Ihre Bestellungen erst im Januar wieder entgegen nehmen können. Wir haben unser Paketvolumen bei DHLUPDHERMESGLS leider schon ausgeschöpft. Vielen Dank für Ihren Besuch!”

Fazit

Ging es in den letzten Jahren primär um mehr und noch mehr, stößt die Logistik nun offenbar an einige Grenzen des Wachstums. Und das könnte für die Onlinehändler zu einem größeren Risiko für das Geschäft werden als alles, was bisher als Widrigkeit oder Gefahr bezeichnet wurde. Denn anders als bei einem schlechten Listing in den Suchmaschinen, überbotenen Keywords beim SEA oder einer gefloppten Social Media Kampagne haben die Händler bei der Paketzustellung nicht die Möglichkeit, selbst und aktiv gegenzusteuern.
Hier sind sie von ihrem Dienstleister abhängig, sind die Alternativen begrenzt. Und: die Alternativen kämpfen alle mit den gleichen Problemen.

Bildquelle: Hermes

Ronny Wangelin ist Gründer und Entwickler des ShopCockpit und Geschäftsführer der ShopCockpit UG. Seit 2000 im eCommerce aktiv mit eigenem Shop, später zusammen mit Alexander Hupe mit eigener eCommerce-Agentur. Das Onlinemarketing für Onlineshops und hier speziell das Produktmarketing in Preisvergleichen und auf Marktplätzen, dafür ist Ronny Ihr Experte.